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Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg

Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg

Schauplätze der Reformationsgeschichte hautnah erleben: Dafür muss man einfach die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg besuchen. Hier haben Martin Luther und Philipp Melanchthon ihre Spuren hinterlassen. Hier kann man die Schlosskirche besuchen, an deren Portal Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasshandels angeschlagen haben soll. Hier entstanden Schriften, die die Welt verändern sollten.

Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg

Auf den Spuren des großen Reformators

Kein anderes Land ist so eng mit der Reformation und dem Leben und Wirken Martin Luthers verbunden wie Sachsen-Anhalt. Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg bilden ein gemeinsames Welterbe.

Geboren im Herzen des heutigen Sachsen-Anhalts, der Lutherstadt Eisleben, hat Martin Luther seine ersten Lebensjahre in der Grafschaft Mansfeld verbracht. Sein Geburtshaus und das dazugehörige Museum machen mit weit über 250 spannenden Exponaten die damalige Zeit erlebbar – und zeigen die Startbedingungen für das ereignisreiche Leben des späteren Reformators. Vor allem aber macht die Ausstellung deutlich, wie eng die Bande waren, die zwischen ihm, seinen Eltern und der Region bestanden.
 Während seines Lebens besuchte Luther oft die Grafschaft Mansfeld, um zwischen den Herrschaften zu vermitteln. So geschah es, dass seine Geburtsstadt auch zu seinem Sterbeort wurde. Der Kreis schloss sich, als er vermutlich einen Herzanfall auf dem Weg nach Eisleben erlitt. Wenige Tage später starb er an den Folgen. Sein Sterbehaus und das angeschlossene Museum erzählen vom damaligen - und auch heutigen - Totenkult. Die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie Luther mit dem Sterben und dem Tod als Trauernder, Tröster und Theologe umging. Zudem hält das Museum wechselnde Sonderausstellungen bereit. Noch bis Ende 2022 lädt die Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ dazu ein, unsere Sprache spielerisch und interaktiv zu entdecken.

Die aber wohl wichtigste Wirkungsstätte Martin Luthers ist und bleibt das Lutherhaus in Lutherstadt Wittenberg. Hier lebte Luther mit seiner eigenen Familie über 35 Jahre lang - hier entwickelte er seine Thesen, die die Welt bis heute verändern sollten. Die Ausstellung im ehemaligen Augustinerkloster, deren Höhepunkt die authentische Lutherstube ist, zieht aus Nah und Fern Interessierte der Reformationsgeschichte an. Sie lernen Martin Luther nicht nur als großen Reformator und Gelehrten kennen, sondern auch als Ehemann und Familienvater.Im benachbarten Augusteum wird zudem ab August 2021 die Sonderausstellung „Pest. Eine Seuche verändert die Welt“ zu sehen sein.
 Luther hatte viele Weggefährten, und einer von ihnen wohnte in seiner unmittelbarer Nachbarschaft: Philipp Melanchthon. Das Melanchthonhaus, eines der schönsten Bürgerhäuser Wittenbergs, ist heute ein Museum. Besucherinnen und Besucher erfahren hier am authentischen Schauplatz alles rund um den Reformator und seine Familie. Als besonderes Highlight wartet hinter dem Wohngebäude Melanchthons Kräutergarten, der nach historischem Vorbild rekonstruiert wurde und heute ein wunderbarer Ort zum Verweilen ist.

In der Schlosskirche, ab 1489 errichtet und 1503 eingeweiht, hielt Philipp Melanchthon seine Antrittsvorlesung. An das Hauptportal der Schlosskirche schlug Martin Luther der Überlieferung nach die 95 Thesen gegen die Ablasspraxis der Kirche und leitete damit die Reformation ein. In der Kirche befinden sich bis heute die Gräber von Martin Luther und Philipp Melanchthon. Sehenswert sind auch die bronzenen Epitaphien Friedrichs des Weisen und seines Bruders Johann des Beständigen aus der Vischer-Werkstatt in Nürnberg. Jenen geschichtsträchtigen Ort können Besucher selbstständig oder fachkundig begleitet bei einer Führung erkunden.

In der Stadtkirche St. Marien predigte Martin Luther und wirkte Johannes Bugenhagen als erster evangelischer Stadtpfarrer. Hier begann die Tradition der evangelischen Gottesdienste in deutscher Sprache, mit Gemeindegesang und mit der Kommunion des Abendmahls in beiderlei Gestalt (Brot und Wein). Die Stadtkirche Wittenberg wird deshalb auch als Mutterkirche der Reformation bezeichnet. Sie ist zugleich eine Schatzkammer der Kunst mit zahlreichen Werken aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. und Lucas Cranach d. J.

Um an die weltgeschichtliche Dimension der Reformation zu erinnern, hat die UNESCO 1996 die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg als Kulturerbe der Menschheit anerkannt.